Wilde Kerle

Einem Tschäggätta möchte man nicht im Dunkeln begegnen. In der Fasnachtszeit streifen die unheimlichen Gestalten durch das winterliche Lötschental und erschrecken Besucher und Einheimische. Im Lötschentaler Museum in Kippel taucht man tief in ihre Geschichte ein.

Tschäggättä – schon der Name klingt wie ein Ungeheuer. Begegnet man dann den furchterregenden Wesen leibhaftig, sind Schreckmomente garantiert. Versteckt hinter grossen, grell bemalten und fratzenhaft geschnitzten Holzmasken bringen sie in das ansonsten ruhige Tal ordentlich Leben rein. Das Outfit der Tschäggättä besteht aus alten, oft umgestülpten Kleidern, über die Schultern hängen zottige Tierfelle, unter die meist noch Kissen oder Schaumstoffpolster gesteckt werden, damit die Figuren grösser und buckliger erscheinen. Um die Beine sind Jutesäcke gebunden, sodass die Kostümträger nicht an den Schuhen erkannt werden. Wollhandschuhe und ein Stock gehören dazu, und nicht zuletzt wird mit grossen Kuhglocken, die an den Ledergürteln baumeln, ordentlich Lärm gemacht.

Unweigerlich fragt man sich, was es mit diesem archaischen Brauch auf sich hat. Wie das früher so war in abgeschiedenen Gegenden, so ganz ohne Strom, sass man auch im Lötschental an den langen und dunklen Winterabenden beim sogenannten Abendsitz zusammen. Die Jungen lauschten in der warmen Stube den Geistergeschichten der Alten. Bei diesen «Zellätä» und «Bozungschichtä» pflegte man die Gemeinschaft und hielt die Erinnerungen an die Vergangenheit aufrecht. Das Tschäggättä-Brauchtum, welches während der Fasnachtszeit leidenschaftlich zelebriert wird, hat seine Spuren womöglich in diesen Sagen und Mythen. Auch über den Ursprung der Masken kursieren zahlreiche Legenden. «Es handelt sich dabei aber ausschliesslich um Spekulationen ohne wissenschaftliche Grundlage», sagt  Thomas Antonietti, einer der beiden Kuratoren des Lötschentaler Museums in Kippel.

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